Eine scharfe Angelegenheit

Das Messer Werk im bayerischen Aschau ist ein Mekka für Messerfans.

Das Auge kann es kaum erfassen: Im Bruchteil einer Sekunde zerfällt eine reife Frucht in Stücke, ohne einen Tropfen ihres süssen Safts zu vergeuden. Hauchzarte Schnitte veredeln jede Speise zur Vollkommenheit. Küchenwerkzeuge, die perfekt in der Hand liegen. Sie führen sich von selbst und ermöglichen ein müheloses Arbeiten. Eine traumhafte Qualität, meisterhaft gefertigt, jedes Stück ein Unikat, einzig für den Auftraggeber geschmiedet, geschliffen und gefasst. Wunderschöne Kunstwerke mit Damaszener Klingen – rasiermesserscharf, höchst präzise, stahlhart – mit einer archaischen Ästhetik, die sich über die Jahrtausende aus dem Orient bis heute erhalten hat. Eine Faszination, die niemals ihre magische Wirkung verliert.

Hier sind echte Kerle am Werk: Das Feuer ist entfacht, kraftvoll schlägt der Hammer auf den glühenden Stahl, die Funken sprühen, die Muskeln spielen, der Schweiss tropft. Wer die Schmiedewerkstatt von Luca Distler und Florian Pichler betritt, spürt nicht nur die Hitze der Glut, sondern auch die Flamme der Leidenschaft. Eine Leidenschaft, mit der die beiden Freunde in die Top-Liga der exklusivsten Messerhersteller aufgestiegen sind. Was mit einem Hobby begann, hat sich zu einem Handwerk entwickelt, das so kaum an einem anderen Ort zu finden ist. In jahrelangen Versuchen haben sie Stahlsorten kombiniert und einen Damaszener Stahl entwickelt, der alle positiven Eigenschaften – hart, zäh und elastisch – in sich vereint und seinesgleichen sucht. Sie stellen das Ausgangsmaterial für ihre Klingen grundsätzlich selbst her, nach eigenem Rezept, das natürlich ihr Geheimnis bleibt. Man muss es einfach im Gefühl haben, wann das Steinkohlefeuer die richtige Temperatur hat, damit die Sorten sich zu einer homogenen Einheit verbinden, aber der enthaltene Kohlenstoff, welcher für die Härte sorgt, nicht verbrennt. Ein diffiziles Unterfangen, das viel Erfahrung erfordert. Mit endloser Geduld wird der entstandene Stahlblock anschliessend immer wieder geschmiedet, gefaltet und feuerverschweisst – bis zu 360 Mal –, bis ein geschichteter Stahl entsteht, der perfekt ist für ein hartes scharfes Messer. Jetzt muss jeder einzelne der weiteren Handgriffe vom Schleifen bis zum Ätzen sitzen, sonst war alle Arbeit umsonst. Die Säure zaubert das typisch fliessende Muster des Damaststahls hervor – beim Schmieden entstanden und bislang verborgen. Jede Maserung ist einzigartig – wie ein Fingerabdruck.

Wilder und türkischer Damast. Rosendamast, Torsions- und Mosaikdamast... Es ist eine Wissenschaft für sich, die beabsichtigten Muster erscheinen zu lassen. Doch nicht nur beim Kochen sind die Kunstwerke von Messer Werk sehr begehrt (Wartezeiten von bis zu neun Monaten sind für die internationale Kundschaft normal): Die Schmiede im bayerischen Aschau fertigt auch Messer, die beim Fischen und Jagen Schwerstarbeit verrichten können. Die ganz anderen Anforderungen an Klingenstärke und langanhaltende Schärfe werden voll erfüllt. So entstehen Messer von hohem Gebrauchswert. Aber das Portfolio der Chiemgauer Manufaktur umfasst nicht nur Kochmesser und Jagdnicker, auch Klappmesser aus rostfreiem Stahl, einseitig geschliffene Sashimi-Messer, Tran­chiergabeln, Brotmesser oder arabische Krummdolche gehören dazu. Die unterschiedlichen Formen sind allesamt eigene Entwürfe. Aber die Messer sind nicht nur Werkzeuge, sie erfüllen auch in jeder Hinsicht die Ansprüche an ein schönes, edles Aussehen. Für die Griffe, in welche die massiven Klingen perfekt eingepasst werden (noch ein Betriebsgeheimnis), kommen die exotischsten Materia­lien zum Einsatz: Wüsteneisenholz, Stosszähne ausgestorbener Mammuts, Kamelknochen, Wasserbüffelhorn. Oder klassisch heimische Hölzer wie Nussbaum, Sanddorn, Mooreiche. Ausserdem Edelstahl, Gold, Perlmutt. In liebevoller Kleinarbeit werden feine Details graviert, eingelegt, genietet. Mit dieser uralten Handwerks­kunst erhält jeder Kunde sein individuell gefertigtes Stück für die Ewigkeit. Welch ein Glück, dass sich die beiden Perfektionisten, ein Kunstschmied und ein Zahntechniker, gefunden haben!

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